Ein leichter Sandboden, begrenzte Wasserspeicherung und trotzdem gute Qualität in der Braugerste:
In diesem Feldversuch zeigte sich, wie biologische Bodenaktivierung nicht nur das Bodenleben, sondern auch die Kornqualität entscheidend verbessert.
Mehr Wurzeln, mehr Leben, mehr Ertragssicherheit. Wie die Bodenbiologie den Unterschied macht, zeigt dieses Praxisbeispiel eindrucksvoll.

Ausgangssituation

Auf einer leichten Sandfläche in Niedersachsen mit deutlich sichtbaren Ertragsunterschieden innerhalb der Fläche, wurde im Herbst 2024 Winterbraugerste ausgesät. Der Versuch wurde in zwei Streifen angelegt:

– Behandelter Streifen: Anwendung biologischer Bodenhilfsstoffe zur Belebung der Bodenmikrobiologie (Streifen wurde auf der ertragsschwächeren Seite der Fläche angelegt).
– Kontrollstreifen: ohne Behandlung

Das Ziel war, die Wirkung biologischer Aktivatoren auf Bodenstruktur, Wasserhaushalt, Pflanzengesundheit und Kornqualität zu untersuchen. Über die Vegetationsperiode hinweg erfolgten mehrere Bonituren sowie mikrobiologische Analysen und Ernteparameter-Auswertungen.

Bonitur 1 – April 2025; 4 Wochen nach Behandlungsstart:

Im behandelten Streifen zeigte sich eine deutlich höhere Wurzelmasse mit stärker ausgebildeten Wurzelhosen. Der Boden war hier feuchter, krümeliger und besser durchlüftet, während der unbehandelte Bereich trockener und verdichteter wirkte.

Bewertung:
– Deutlich aktivere Rhizosphäre durch mehr Bodenleben
– Höhere Wasserhaltefähigkeit durch verbesserte Bodenstruktur
– Bessere Bestockung von Pflanzen aus behandeltem Streifen

Ergebnis: Bereits früh zeigte sich ein vitalerer Bestand mit stabilerem Wurzelwerk und homogenerem Aufwuchs.

Bonitur 2- Mai 2025:

Die Unterschiede zwischen den Varianten verstärkten sich im weiteren Vegetationsverlauf.  Auffällig hierbei waren der gleichmäßigere Ährenhorizont und kompakterer Bestand und eine deutlich höhere Wurzelvitalität im Vergleich zur Kontrolle
Der biologisch aktivierte Boden sorgte für eine bessere Nährstoff- & Wasserverfügbarkeit.

Biologische Analysen und Interpretation

Im Rahmen des Feldversuchs wurden zur Beurteilung der biologischen Aktivität im Boden unter anderem die Parameter Pilzbiomasse, Protozoenaktivität und das F:B- Verhältnis (Verhältnis von Pilzen zu Bakterien) untersucht.
Diese Kennwerte liefern einen direkten Einblick in den biologischen Zustand des Bodens und sind entscheidend für die Nährstoffdynamik, Humusbildung und Pflanzengesundheit.

  1. Pilzbiomasse

Die Analysen zeigen durchweg eine deutliche Erhöhung der Pilzbiomasse im behandelten Streifen gegenüber der unbehandelten Kontrolle.
Pilze spielen eine zentrale Rolle beim Abbau organischer Substanz und beim Aufbau stabiler Bodenaggregate. Eine erhöhte Pilzaktivität weist darauf hin, dass der Boden mehr organische Kohlenstoffverbindungen verarbeiten und als stabile Humusformen speichern kann. Die erhöhte Pilzaktivität im behandelten Streifen erklärt den in den Bonituren beobachteten besseren Wurzelwuchs und die höhere Bodenfeuchte.

  1. Protozoen (Einzellige Räuber im Bodenmikrobiom)

Ebenfalls lag die Protozoenzahl im behandelten Streifen deutlich höher als im Kontrollstreifen.
Protozoen ernähren sich von Bakterien und setzen beim Stoffwechsel pflanzenverfügbaren Stickstoff (NH₄⁺) frei. Sie sind ein zentraler Bestandteil des mikrobiellen Nährstoffkreislaufs und versorgen so die Pflanze mit Stickstoff. Eine höhere Protozoenaktivität bedeutet eine effizientere Nährstoffrecyclingrate im Boden. Dadurch profitieren die Pflanzen von einer kontinuierlichen, Stickstofffreisetzung. Dies korreliert mit den Ergebnissen der qualitativen Analyse des Rohproteingehalts (Tab.9). Dieser liegt im Vergleich zur Kontrollfläche höher, was auf eine effizientere Verwendung des Stickstoffs hinweist.

  1. F:B-Verältnis

Das Pilz:Bakterien- Verhältnis hat sich im Vegetationsverlauf im Vergleich zum Kontrollstreifen deutlich verbessert.
Ein höheres F:B-Verhältnis zeigt, dass der Boden pilzdominanter wird und somit Wasser und Nährstoffe besser im Boden gehalten werden können. Ebenfalls nimmt die Kohlenstoffspeicherung zu.  Der beobachtete Effekt auf den Bestand – kräftigere, gleichmäßigere Pflanzen und eine bessere Bodenstruktur– lässt sich damit agronomisch schlüssig erklären. Gerade auf sandigen Böden, wo der mikrobielle Abbau oft überwiegt, ist eine Verschiebung in Richtung Pilzdominanz ein positives Indiz für Humusaufbau und langfristige Strukturverbesserung.

Erntebeobachtung & Qualitätsbewertung

  1. Kornzahl /Ähre:

Die in den Bonituren ermittelten Daten zeigen, dass die Kornzahl/Ähre im behandelten Streifen höher lag als in der unbehandelten Variante.
Die Pflanzen im behandelten Bereich bildeten gleichmäßigere und vollere Ähren aus, während die Kontrollvariante häufiger lückige oder teilgefüllte Ähren aufwies.
Dies deutet auf eine harmonisierte Nährstoff- und Wasserverfügbarkeit während der Kornfüllungsphase hin.
Eine bessere Wurzelentwicklung führte dazu, dass die Pflanze mehr Kornanlagen (durch gesteigerte Assimilationsleistung und verbesserte Pflanzengesundheit) erhalten und ausbilden konnte.

  1. Ausputz:

Der Ausputzanteil im behandelten Streifen ist geringer als in der Kontrolle. Dies spricht ebenfalls für eine gleichmäßigere Kornfüllung.

  1. Proteingehalt:

Der erhöhte Eiweißgehalt bei gleichzeitig besserer Kornfüllung im behandelten Streifen zeigt, dass die Pflanze den verfügbaren Stickstoff effizienter in die Kornbildung integriert hat. Dies spricht für eine bessere Stickstoffnutzung, bedingt durch ein aktiveres Bodenleben, welches Nährstoffe über den Wachstumsverlauf gleichmäßiger freisetzt. Hier könnte im nächsten Schritt eine reduzierte Stickstoffdüngung erfolgen, um einem zu hohen Stickstoffgehalt entgegenzuwirken.

  1. Vollgerstenanteil:

Die Daten zeigen einen deutlich höheren Vollgerstenanteil im behandelten Streifen gegenüber der Kontrolle. Der hohe Anteil an Vollgerste auf der behandelten Fläche übertrifft sogar die Ergebnisse der vergleichsweise besseren Betriebsflächen (Vergleichsfläche 2).
Dieses Ergebnis ist ebenfalls auf eine gleichmäßigere Kornentwicklung und homogenere Reife zurückzuführen.
Die Pflanzen konnten die Assimilate gleichmäßiger in die Körner verlagern, was auch am homogeneren Ährenhorizont aus Bonitur 2 erkennbar war. Ebenfalls hatte hier die bessere Wasserhaltefähigkeit einen positiven Einfluss. Die Werte aus dem Versuch liegen im sehr guten Bereich für einen Sandstandort, was die Wirksamkeit Behandlungen deutlich untermauert.

Gesamtergebnis und Schlussfolgerung

Die Ergebnisse belegen, dass die biologische Bodenaktivierung zu einer signifikanten Verbesserung der Bodenstruktur, Pflanzengesundheit und Kornqualität führte. Durch die Steigerung der Pilzbiomasse und Protozoenaktivität, sowie der Steigerung des F:B- Verhältnisses, wurde der Boden biologisch stabilisiert. Diese Veränderungen bilden die Grundlage für die beobachteten positiven Effekte auf Pflanzenentwicklung, Nährstoffeffizienz und Kornqualität.

Besonders auf leichten Sandböden, die oft mit Trockenstress und schwacher Nährstoffspeicherung kämpfen, war der Effekt klar sichtbar. Der Versuch zeigt, dass auf leichten Standorten durch gezielte Maßnahmen eine gute Braugerstenqualität erreichbar ist – bei gleichzeitiger Förderung der Bodenfruchtbarkeit.